Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf e. V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 04.01.2019 um 10:57 Uhr

Ab in die Erde 

Tipps zu Aussaat und Anzucht von Gemüse

Für das neue Gartenjahr steht uns als Gartenfreund wieder die Gemüsekultur an erster Stelle. Hierzu benötigen wir Saatgut oder Jungpflanzen. Die einzusetzenden Gemüsesorten sollten gute Ertrags- und Qualitätseigenschaften sowie eine gewisse Resistenz gegenüber Krankheiten besitzen.


Jungpflanzen. Foto: © Sven Wachtmann

Saatgut

Wenn man sich auf die Suche zum geeigneten Saatgut macht, sollte man auf Haltbarkeit, Keimfähigkeit und Eigenschaften achten.


Haltbarkeit des Saatgutes: ist es noch keimfähig oder ist die Haltbarkeit schon abgelaufen? Dies ist auf den Samentütchen aufgedruckt, wie z.B. MHB 03/2020. Das heißt, dass das Saatgut bis zum März 2020 haltbar ist. Die Keimfähigkeit des Saatguts hängt auch von der Art der Lagerung ab. Es sollte an einem trockenen und frostfreien Ort aufbewahrt werden.


Sollten Sie Saatgut finden, das mit F1 oder F1-Hybride bezeichnet ist, handelt es sich um das Ergebnis zweier genetisch unterschiedlicher Sorten, die miteinander gekreuzt wurden. Die daraus entstehende neue Generation wird Filialgeneration, kurz F1, genannt. Hier werden positive Eigenschaften der Eltern vereint. Es kommt zu erwünschten Eigenschaften wie Wuchsform, Farbe, Geschmack, höhere Ertrag aber auch Resistenzen gegenüber Krankheiten. Die F1-Pflanzen sind aber nicht mehr sortenecht. Können also nicht mehr mit den Eigenschaften der F1-Pflanzen durch Samengewinnung vermehrt werden.


Frühbeet: Foto: © Jana Vallejo Manzano

Aussaat

Die Aussaat der neuen Gemüsepflanzen kann bei ausreichender Wärme ab März (mindestens 15°C) direkt ins Freiland an die gewünschte Stelle erfolgen. Möglichkeiten der Aussaat sind Reihen- oder Rillensaat, Breit- oder Flächensaat oder Horstsaat (mehre Samen auf einer Stelle). Direktsaat hat den Vorteil das die Gemüsepflanzen längere Wurzeln bilden und so besser kürzere Trockenphasen überbrücken können. Das Ausbringen von sehr kleinem Saatgut kann erleichtert werden, wenn das Saatgut mit feinem Sand oder Sägemehl gemischt wird und dann im Freiland ausgestreut wird. Bei größerem Saatgut, welches eine harte Schale aufweist wie z.B. Wicken, Lupinen oder Kapuzinerkresse, ist es sinnvoll die Samen einige Stunden in Wasser quellen zu lassen und gegebenenfalls die Samen vorher leicht anzuritzen.

Möchte man die Gemüsepflanzen schon früher aussäen als es die Temperaturen im Freiland zulassen, kommen dafür auch Frühbeete (Bild links) oder Gewächshäuser in Betracht. Hier werden die Pflanzen vorgezogen und pikiert (vereinzelt). Wenn die einzelnen Jungpflanzen pflanzreif geworden sind, kann man sie am gewünschten Ort ins Freiland pflanzen. An den Stellen, an denen die neuen Gemüsepflanzen ausgesät werden, sollte der Boden flach gelockert und geglättet werden. Dann werden Saatrillen z.B. mit Hilfe eines langen dünnen Stabes gezogen, die Tiefe der Saatrillen richtet sich nach der Größe des Samens. Nach der Aussaat werden die Saatrillen geschlossen, die Erde angedrückt und leicht angegossen. Eine Ausnahme bilden sogenannte Lichtkeimer (z.B. Kopfsalat, Sellerie). Bei diesen werden die Samen nicht mit Erde bedeckt.


Pflanzung

Die jungen Gemüsepflanzen aus eigener Anzucht oder durch Zukauf sollten möglichst nicht vor Mitte Mai (erst nach den „Eisheiligen“) ins Freiland gebracht werden. Gesunde, pflanzreife Jungpflanzen erkennen Sie an einer gedrungenen Erscheinung, straffem Wuchs, einer kräftig grünen Farbe und reichlich gesunder Wurzelmasse mit recht viel anhaftender Erde.

Die Vorbereitung der Beete von Gemüsepflanzen kann mit einem Reihenzieher oder einer Pflanzschnur erfolgen. Die Pflanzung wird mit einer Pflanzschaufel oder einem Pflanzholz vorgenommen. Zu guter Letzt sollte man einen kleinen Giessrand herstellen und anwässern. Nach der Pflanzung bedürfen die Pflanzen einer regelmäßigen Pflege für eine reichhaltige Ernte.


Standortbedingungen

Für eine gesunde und reiche Gemüseernte in Ihrem Garten sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen die zum gewünschten Ziel führen. Als erstes sollten Gemüsepflanzen nur an Stellen mit optimaler Sonneneinstrahlung anbaut werden, nur hier können sich die Pflanzen optimal entwickeln. An Standorten mit zu wenig Sonne wachsen die Pflanzen nicht sehr schnell und werden auch nicht so groß wie in voller Sonne, auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten wird hier geschwächt. Außerdem sollte ein Standort gewählt werden an denen die Gemüsepflanzen genügend durchlüftet werden. Damit wird möglichen Pilzkrankheiten vorgebeugt.


Auch der Boden spielt für den Standort der Pflanzen eine entscheidende Rolle. Er muss möglichst gut zu bearbeiten sein, einen Lehm- und Sandanteil sowie einen entsprechenden Humusgehalt von ca. 5% aufweisen. Bei schweren Böden sollten Sie vom natürlichen Prozess der Frostsprengung Gebrauch machen und Ihren Gartenboden im Herbst umgraben. Nach jeder Ernte sollte der Boden wieder mit entsprechenden Nährelementen angereichert werden, damit auch die neuen Kulturen wieder ausreichend „Nahrung“ bekommen. Dies kann mit mineralischen wie auch mit organischen Düngergaben erreicht werden. Vorteilhaft ist auch eine Düngung mit Gründüngungspflanzen wie z.B. Lupine, die Luftstickstoff gebunden und außerdem die Erosion verhindert haben. Diese Pflanzen werden jetzt untergegraben.


Zusammenfassung der wichtigsten Wachstumsfaktoren 


Wasser- ist wichtiger Wachstums- und Ertragsfaktor
- Aufnahme und Transport von Nährstoffen und Assimilaten
- Erhaltung des Zelldruckes
- zur Regulierung der Verdunstung
- wichtig für verschiedene biochemische Reaktionen
- ist in der Pflanzenmasse zu 75-95% enthalten
Licht- beeinflusst die Photosynthese der Pflanze
- Zusatzlicht oder Verdunklung zur Steuerung des vegetativen und  generativen Wachstums (Langtagpflanze/Kurztagpflanze)
Temperatur- optimale Temperatur während der Jungpflanzenzucht beachten („Schossen“)
Boden
- optimal ist ein lehmiger Sandboden und sandiger Lehmboden
- pH-Wert von 6,5 bis 7,5 (neutral) einstellen
- Humusgehalt sollte mindestens 6-7% betragen
- für gute Wasserführung sorgen
- stabile Struktur der Erde
- Erhaltung der Bodengare
- Bodenlockerung/Bodenabdeckung
- Bodenuntersuchung (bitte alle drei Jahre durchführen)
Düngung/Nährstoffe
- richtige und zeitliche Stickstoffmenge den Pflanzen zuführen
- Verwendung von möglichst organischem Dünger
- pH-Wert beachten zur Aufnahme der Nährstoffe für die Pflanzen
- jährliche Gesund- und Erhaltungskalkung durchführen

Anbaufläche
Die Planung der Anbaufläche verlangt eine entsprechende Überlegung, welche Kulturen auf welchen Flächen angebaut werden sollten, ob sich die Kulturen positiv beeinflussen, vom Nährstoffbedarf und Wurzelverträglichkeiten und wie lange die Kulturzeit der einzelnen Kulturen ist. Dies sind sehr viele Überlegungen, die aber bei einem geübten Kleingärtner im Laufe der Jahre zu entsprechendem Erfahrungswert geworden ist. Es lohnt sich, bei der Pflanzung beziehungsweise bei der Aussaat von Gemüse auf den richtigen Pflanz- und Reihenabstand zu achten.


Sven Wachtmann
Vorstandsmitglied Fachberatung

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