Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf e. V.
Tipps für den Garten
zurück zur Übersicht

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

F├╝r den Inhalt dieses Beitrags ist ausschlie├člich der Verfasser verantwortlich.

Zum Beitrag des Verfassers
Verfasst am 27.07.2020 um 10:00 Uhr

Süße Früchte aus eigener Ernte    

So gelingt der Erdbeeranbau im Garten 

Die Erdbeere zählt mit zum ersten Frischobst im Jahr, das man im Garten ernten kann und ist daher bei Gartenfreunden äußerst beliebt. Deshalb werden Erdbeeren auch in vielen Sorten, je nach Platzverhältnissen, angebaut. Während unsereins dabei den Beetanbau oder das Hochbeet bevorzugt, setzen Terrassen- und Balkongärtner eher auf den Kübelanbau und die Hängeampel.


Mit richtiger Kulturführung Krankheiten vermeiden

Ich als Kleingärtner habe mich ebenfalls für Beete entschieden und betreibe den zweijährigen Anbau, d.h. in jedem Jahr werden drei Reihen neu angelegt und die Pflanzen nach der zweiten Ernte in das Beet eingearbeitet. Bei einem längeren Anbau können sich zunehmend erdbeerspezifische Schadorganismen anreichern. Deshalb muss unbedingt die Fruchtfolge eingehalten werden. So sollten Sie Erdbeeren erst nach vier bis fünf Jahren wieder auf die gleiche Beetfläche pflanzen. Bei meiner Anbauplanung wird die gleiche Beetfläche erst nach ca. sieben Jahren wieder bepflanzt.


Auch der Pflanzenhabitus und die Fruchtgröße spielen beim Anbau eine Rolle. Im ersten Standjahr sind die Pflanzen größer und auch die Früchte, im zweiten sind die Pflanze kleiner, kompakter und haben viele kleinere Früchte. Anbau und Pflege im zeitlichen Ablauf. Die günstigste Pflanzzeit ist Ende Juli und Anfang August, da die Jungpflanzen bis zum Winter die Blütenknospen für das Folgejahr anlegen. Bei im Frühjahr gekauften Pflanzen ist in der Regel die Knospenbildung nicht so gut ausgeprägt. Bei der Anbauplanung wird die Fläche für das neue Erdbeerbeet bereits berücksichtigt. Als Vorfrucht können Spinat, Salat, Radieschen, Mairübchen und Lauchzwiebeln angebaut werden, da sie spätestens bis Mitte Juli abgeerntet sind. In die Beetfläche wird dann angerotteter Rohkompost, ca. 6–8 40 l/m², eingearbeitet. Dieser dient als Langzeitgrunddüngung.


Für die eigene Jungpflanzengewinnung wird oft empfohlen, kleine Blumentöpfe, gefüllt mit Blumenerde, neben den Pflanzen einzusetzen und die am Ausläufer befindliche Jungpflanze festzustecken, damit sie im Topf Wurzeln bilden kann. Wer nur einige Pflanzen benötigt, wie z.B. für den Hochbeet- oder den Kübelanbau, kann das so machen. Der Vorteil besteht darin, dass das Einpflanzen ohne Wurzelverletzungen möglich ist. Für meine Beetfläche benötige ich je doch ca. 30–40 Pflanzen. Dafür lasse ich die Ausläufer nach der Ernte im Beet wachsen und einwurzeln. Dann suche ich mir die kräftigsten Jungpflanzen heraus und entferne alle alten Blätter bis auf zwei Neutriebe.

Die Neupflanzung erfolgt im Reihenabstand von ca. 60 cm. In der Reihe beträgt der Abstand ca. 30 cm. Dafür wird an der Pflanzstelle eine Mulde mit einem kleinen Hügel in der Mitte angelegt. Die Pflanze wird daraufgesetzt und die Wurzeln werden in allen Richtungen ausgebreitet. Dann wird mit Erde verfüllt, sodass das Herz der Erdbeerpflanze oberhalb der Erde sichtbar bleibt. Anschließend werden die Pflanzen angegossen, damit sie gut einwurzeln können.


Die erste Kopfdüngung erfolgt dann Anfang bis Mitte September mit ca. 15 g Hornmehl oder anderem organischen Dünger, der oberflächlich eingearbeitet wird. Auch werden alle neu gebildeten Ausläufer regelmäßig entfernt, damit die ganze Kraft der Pflanze in die Blütenanlage geleitet wird. Mitte September wird auch der Knoblauch zwischen den Reihen gesteckt und bringt im Folgejahr eine gute Ernte. Im Frühjahr werden die Erdbeerblätter vom Vorjahr entfernt, nur der Neuaustrieb bleibt stehen. Dann erfolgt erneut eine Kopfdüngung mit ca. 15 g Hornmehl oder anderem organischen Dünger, der ebenfalls oberflächlich eingearbeitet wird.


Sofern über den Winter das Beet gemulcht war, muss die Mulchschicht vor den o.g. Maßnahmen entfernt werden, da mit sich der Boden schneller erwärmt und die Pflanzen besser wachsen. Ist im Winter Unkraut aufgelaufen, kann das Beet vorher gehackt werden. Dazu eignet sich am besten eine Schweizer Pendel- oder die Schuffel-Hacke, wobei das Unkraut zur Verrottung auf dem Beet verbleiben kann. Sollte es sich ausgesät haben, ist des Öfteren Hacken angesagt.


Während der Eisheiligen und bei Frostgefahr sollten die Beete mit Vlies abgedeckt werden. Der schon warme Erdboden mit seiner aufsteigenden Wärme sichert so, dass die Blüten nicht erfrieren. Das beliebte Mulchen mit Stroh kann direkt nach der Blüte erfolgen. Wenn Sie kein Stroh oder trockenes Mulchmaterial zur Verfügung haben, sollten Sie nach jedem Regen bzw. Wässern das Beet durchhacken, damit der Oberboden schnell abtrocknet und die heranwachsenden Früchte nicht vom Schimmel befallen werden. Auch werden die sich bildenden Ausläufer bis zur Ernte regelmäßig entfernt, damit die ganze Kraft der Pflanze in die Früchte geht.


Nach der Ernte und nach der Gewinnung der Jungpflanzen für die Neupflanzung werden die Ranken sowie Blätter der Erdbeerpflanzen abgeschnitten und aus dem Beet entfernt. Jetzt werden die Pflanzen mit ca. 35–45 g Hornmehl oder anderem organischen Dünger gedüngt, um die Blütenbildung für das zweite Standjahr zu fördern. Wie schon eingangs erwähnt, werden die Pflanzen nach der zweiten Ernte in das Beet eingearbeitet. Als Nachkultur kann vorgezogenes Wintergemüse ausgepflanzt oder Gründüngung ausgesät werden.


Bei dieser Kulturführung können Erdbeerkrankheiten im Vorfeld vermieden werden. Allen Hobbygärtnern viel Erfolg beim Anbau.


Wolfgang Kannewischer

Stellv. Bezirksgartenfachberater im Bezirksverband Berlin-Hohenschönhausen



Fotos: Pixabay

Dokumente: