Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf e. V.

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Verfasst am 25.03.2021 um 13:05 Uhr

Unser ökologisches Potential wurde bestätigt   

Stiftung Naturschutz Berlin auf der Seite der Kleingärtner    

Am 4. Februar 2021 befasste sich der Ausschuss Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Abgeordnetenhaus Berlin (AGH) mit dem Berliner Stadtgrün. In der Anhörung zur „Sicherung von Freiflächen“ sprach sich die Stiftung Naturschutz Berlin aus ökologischer Sicht für einen möglichst großflächigen Erhalt aller jetzigen Berliner Kleingartenflächen aus.


Die Kleingärtner und die Stiftung

Für die Stiftung nahm Justus Meißner an der Anhörung teil. Er leitet die Abteilung Florenschutz und sprach im Auftrag des Vorstands und der Geschäftsführung der Stiftung Naturschutz. Er berichtete dem Ausschuss, dass die Stiftung die Bedeutung der Kleingartenflächen kenne und schon vor drei Jahren eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landesverband Berlin der Gartenfreunde abgeschlossen hat: ‚Gemeinsam für biologische Vielfalt in Berlin‘.

„Die Vereinbarung zielt auf eine aktive Beteiligung der Kleingärtner an der Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt und enthält ein klares Bekenntnis, die Ziele der Berliner Strategie zur biologischen Vielfalt mit Maßnahmen zu unterstützen“, erläuterte Justus Meißner die Absichten beider Kooperationspartner. Handlungsfelder der Vereinbarung sind u. a. die Themen Wildpflanzen, Wildtiere, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.


Entwicklungsmöglichkeiten für alle Artengruppen

Weil es noch keine ausreichenden flächendeckenden Daten gäbe, um die Bedeutung der Kleingartenanlagen für die Biodiversität und für Biotopverbünde beurteilen zu können, habe die Stiftung stichprobenartige Begehungen in einzelnen Kleingartenanlagen durchgeführt, berichtete Meißner. Damit sollte das Potenzial der Anlagen für den Artenschutz aus der Sicht von Flora und Fauna ermittelt werden. Über die Vielfältigkeit der Lebensräume, die sie gesehen haben, sei die Stiftung überrascht gewesen. „Für einzelne Artengruppen haben die Anlagen nach unserer Einschätzung bereits eine hohe Bedeutung für den Artenschutz. Für alle Artengruppen erkannten wir Entwicklungsmöglichkeiten“, so Meißner weiter.


Langfristig Wildblumenflächen erhalten

Dies sei zwar eine erste Einschätzung, erläuterte der Florenexperte, trotzdem wurden daraufhin bereits verschiedene Aktivitäten mit dem Motto „Mehr Arten im Garten“ entwickelt. Gerade auf Gemeinschaftsflächen von Kleingartenanlagen sieht die Stiftung ein hohes Potenzial für die Entwicklung der Wildpflanzenvielfalt. „Wir haben natürlich auch ein Interesse daran, dass diese Flächen dann langfristig erhalten bleiben“, teilte Justus Meißner aus seiner Organisation mit.


Tierische Besonderheiten

Für eine berlinweite Amphibienkartierung wurden ebenfalls Kleingartenanlagen herangezogen, informierte der Florenschutzexperte die Politiker. Dazu wurden Gewässer in den Anlagen selbst oder in direkter Nachbarschaft von ihnen erfasst. „Nicht nur die Laichgewässer haben eine hohe Bedeutung, sondern vor allem die Landhabitate in den Kleingartenanlagen sind für die streng geschützten FFH-Arten von sehr hoher Bedeutung, z. B. für den Kammmolch und für die Knoblauchkröte“, hob Meißner hervor.

Mit dem Begriff Habitat ist der Lebensraum gemeint. Die Abkürzung FFH steht für Fauna-Flora-Habitatrichtlinie im Naturschutz. FFH-Gebiete sind geschützte Areale. Und mit FFH-Arten sind Tier- und Pflanzenarten gemeint, die in solchen Schutzgebieten leben.


Gemeinsame Aktivitäten und Umweltbildung

Aber die Stiftung hat noch mehr Aktivitäten, die auch mit Kleingärtnern realisiert werden konnten. Meißner berichtete den Mitgliedern des AGH-Ausschusses über das Anbringen von Sommerquartieren für Fledermäuse, über geeignete Nisthilfen für Wildbienen und über den Verleih von Wildtierkameras, damit Kleingärtner ihre Beobachtungen von Tieren und Pflanzen in den Artenfinder eingeben können.

 „Bei allen Aktivitäten sind wir in engem Kontakt mit den Gartenfachberaterinnen und -beratern und Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern. Dabei haben wir ein sehr großes Interesse an den Maßnahmen zur Erhöhung der biologischen Vielfalt erfahren, sehen aber auch einen sehr großen Beratungs- und Informationsbedarf für die Umsetzung solcher Maßnahmen“, erklärte Meißner. Teil der Kooperation mit den Gartenfreunden ist deshalb auch, dass in der Verbandszeitschrift ‚Gartenfreund‘ eine Reihe von Artikeln der Stiftung zu verschiedenen Themen veröffentlicht werden.


Kartierungs- und Beratungsbedarf

Neben der vorhandenen Bedeutung für FFH-relevante Artengruppen sehe die Stiftung zusätzlich ein sehr hohes Potenzial, die bereits vorhandene Artenvielfalt in den Kleingartenanlagen noch zu erhöhen. „Dabei sehen wir aber auch einen hohen Kartierungsbedarf, um mehr Kenntnisse über den Artenbestand in Kleingartenanlagen zu erlangen, und einen sehr hohen Beratungsbedarf zu ökologischen Maßnahmen, um das bestehende Interesse der Kleingärtner/-innen zu befriedigen“, so Justus Meißner weiter. Derzeit übersteige dieser Bedarf jedoch die Kapazitäten der Stiftung Naturschutz. Sie hoffe daher auf Unterstützung der Senatsverwaltung, um diese erhöhen zu können.


Kleingartenflächen langfristig erhalten

Wenn Berlin zunehmend Brachflächen bebaue, werde die Bedeutung an bestehenden ökologischen Flächen wie den Kleingartenanlagen weiter steigen. „Bei diesen Prozessen darf es nicht dazu kommen, dass Verdrängungseffekte eintreten, dass Ersatzflächen auf wertvollen Biotopflächen gesucht werden“, warnte der Florenschutzexperte – auch wohl im Hinblick auf Spekulationen für das Tegeler Flughafenfeld.

„Vor diesem Hintergrund ist eine möglichst großflächige und langfristige Sicherung der Kleingartenanlagen aus unserer Sicht grundsätzlich sinnvoll und zu empfehlen“, teilte Meißner dem AGH-Ausschuss mit. Eine Verkleinerung der einzelnen Kleingärten halte die Stiftung Naturschutz Berlin aus ökologischer Sicht ebenfalls nicht für sinnvoll.


Der Landesverband Berlin der Gartenfreunde ist mit den Worten der Stiftung Naturschutz Berlin selbstverständlich sehr einverstanden. „Damit haben die Politiker aus erster ‚ökologischer‘ Expertenhand einmal mehr bestätigt bekommen, was wir schon seit Jahren sagen“, stellte Sven Wachtmann, Vorstandsmitglied Fachberatung, zufrieden fest.


Dr. Marion Kwart

Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V., Öffentlichkeitsarbeit



Foto Erdkröte:  Marion Kwart